Der Weg ist das Ziel. Oder doch nicht? Zielegal? nennt sich eine Plattform zur Reisevermittlung, die einen interessanten Ansatz verfolgt. Für alle, die zwar wissen, was sie sich von ihrer Reise erwarten und das Reiseziel erstmal egal ist, haben die Jungs ein nettes Auswahl-Tool entwickelt.

Erstmal den Charakter der Reise auswählen. Männlich-abenteuerlich oder Wellnes-Romantik? Sport oder Kultur? Die entsprechenden Regler können in drei Schritte zwischen wenig und viel positioniert werden. Wer will allerdings eine Reise, die wenig Kultur, kein Sport aber auch keine Erholung, weder Abenteuer noch Romantik bietet? Immerhin werden zu dieser Auswahl Reisen in 93 Länder gefunden. Die richtigen Eingrenzungsoptionen liegen eine Ebene tiefer. Budget, Klima, Reisezeitraum und Dauer, diese Optionen bringen einen näher an die richtige Reise.
Mit einem Budget von 1000 Euro, und zwei Wochen Zeit empfiehlt mir die Software eine zehntägige Skitour in Schweden. Ob da wirklich wenig Sport und wenig Natur geboten wird? Dass dieser Urlaub kein romantischer Wellness-Urlaub ist, da bin ich mir sicher.
Für Reiseanbieter ist es eine tolle Sache, die Beta-Version bietet eine Gratis-Anmeldung und die Plattform verzichtet in der Test-Phase auf Provisionen. Die Plattform lebt natürlich nicht allein von schönen Urlaubsbildern, sondern möchte sich über Provisionen für “qualifizierte Anfragen” verdienen, die laut eigener Aussage sich auf 10 – 20 Euro belaufen, abhängig vom Wert der angefragten Reise. 513 Reisen sind bislang im digitalen Katalog der Plattform, das ist schon ein ordentliches Fundament. Trotzdem bleibt die und die Frage, wie grün eine “Grüne Reise” nach Thailand eigentlich sein kann, die es ebenfalls als Auswahlkriterium gibt.
Alles in allem ist es ein gelungener Ansatz, wo sonst schwingen so große Erwartung und Emotionen mit wie bei der Auswahl des Urlaubsziels? Das Pferd auch einmal rückwärts aufzusatteln und zu fragen, “was will ich” anstelle “wohin will ich”, es war nur ein logischer Schritt. Intermediäre und Vermittler werden als Geschäftsmodell im selben Maße interessanter, in dem das Online-Angebot zunimmt und die Konsumenten immer häufiger ihre Suche im Eingabefeld von Google beginnen.
Ähnliches versuche ich mit Michael Liebert von michael-liebert.de auch für das Weinsegment zu entwickeln. Die Parallelen sind unverkennbar: Eine unerschöpfliche Produktvielfalt, viele Hersteller, noch mehr Anbieter, eine riesige Preisspanne und reinbeissen und vorher testen kann man weder in eine Reise als in eine Flasche Wein. Also muss eine Typisierung der eigenen Bedürfnisse her. Bloß: Wie schmeckt ein abenteuerlustiger Wein?